Jahresrückblick 2016
Code for Germany

Zum dritten Mal schon blicken wir zurück auf ein ereignisreiches Jahr. Wir sind gewachsen – sowohl in der Anzahl von Labs und Mitgliedern, als auch in Form und Umfang der Projekte, die wir angehen. Viele Labs veranstalten regelmäßig größere Hackathons, pflegen vertrauensvolle Beziehungen mit den Behörden und starten eigene Kampagnen, um ihre Projekte zu finanzieren. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir so ein starkes und diverses Netzwerk geworden sind!


Nicht zuletzt das Engagement für Newcomer und insbesondere Geflüchtete in den Städten hat uns schwer beeindruckt. Mit dem Digital Refugee Labs haben wir auf dieses Engagement reagiert und einen Schwerpunkt in vier Städten etabliert.


In diesem Jahresrückblick wollen wir nochmal einige Höhepunkte aus dem vergangenen Jahr aufleben lassen. Wir wollen damit Partnern und Interessierten gegenüber darstellen, an was wir gearbeitet haben. Wir wollen aber auch für uns und die Community festhalten, was wir alles erreicht haben. Und auch dieses Jahr stellen wir mit Erstaunen fest, wieviel die Labs wieder erreicht, bewegt und geschaffen haben.


Wir wollen mit diesem Jahresbericht auch immer etwas von dieser Begeisterung an euch zurückgeben und uns bedanken für eure wichtige und großartige Arbeit. Es ist auch 2016 die reinste Freude gewesen mit euch zusammen zu arbeiten.


Danke! Danke! Danke!



2014 2015 2016 2017

HIGHLIGHTS

Die vier OK Labs Leipzig, Hamburg, Berlin und Karlsruhe widmeten sich 2016 einem besonderen Schwerpunkt: Sie wollten lokale Initiativen und Organisationen aus der Geflüchtetenhilfe unterstützen, digitale Tools entwickeln und bestehende Anwendungen verbessern. Der Startschuss fiel in jeder Stadt mit einem Kickoff-Workshop, der von professionellen Design-Thinking-Coaches von Zero360 geleitet wurde und der jedes Mal in eine wahre Klebezettel-Schlacht ausuferte: So vielfälig waren die Probleme, so bunt die Lösungen. Augenzeugen berichten, dass sogar quietschbunte Knetmasse zum Einsatz kam, um der Kreativität gerecht zu werden!

Jedes Lab hat einen ganz eigenen Schwerpunkt gesetzt: In Leipzig waren Stadtteil-Initiativen vertreten, aber auch die Grimme-Online-Award-Nominierten Macher*innen von hoaxmap. Das Hamburger Lab lud besonders die Verwaltungen ein, am Digital Refugee Lab mitzuwirken, und hat auf dem Kampnagel Sommerfest erste Ergebnisse präsentiert. In Berlin war es nicht nur furchtbar heiß, sondern auch besonders voll - so viele Besucher kamen, dass das Essen knapp wurde und die Teilnehmenden in vier Workshop-Tracks parallel tüftelten und entwickelten (und kneteten). In Karlsruhe schlug der bestehende Kontakt zu mehreren lokalen Initiativen zu Buche: Die Initiativen kamen mit konkreten Vorstellungen zum Workshop und konnten zielgerichtet daran weiterarbeiten.



Digital Refugee Labs auf codefor.de
Netzpolitik: Mit Design-Methoden Geflüchteten helfen
Karlszeit: Digital Refugees Lab

Wikidata und die OK Labs: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Mehr als 40 Mitglieder aus den OK Labs trafen sich im Dezember letzten Jahres im neu gegründeten Ulmer Verschwörhaus, um Wikidata, die freie Wissensdatenbank der Wikimedia kennen zu lernen - so viel Awesomeness in einem Satz und an einem Wochenende!

Gemeinsam lernten wir Wikidata, die Struktur und Funktionsweise und darauf aufbauende Tools kennen. Wikidata wird wie die Wikipedia auch von Freiwilligen gepflegt, entwickelt wird sie hauptsächlich von Mitarbeiterinnen von Wikimedia Deutschland. Wikidata unterstützt unter anderem die Wikipedia, kann aber auch für zahlreiche andere Projekte und Anwendungen verwendet werden. Die Daten in Wikidata sind offen, und können von jeder und jedem eingefügt, verlinkt und geprüft, und gleichzeitig von allen benutzt werden. Das sind zum Beispiel Geburtsdaten, Informationen über die Höhe von Gebäuden, über Politikerinnen oder auch aus der Wissenschaft. Perfekt, um von den Open Knowledge Labs stärker in ihre Arbeit und Projekte miteingebunden zu werden.

Daher erfuhren wir nicht nur, wie Wikidata funktioniert, sondern gingen auch gleich in die Praxis und entwickelten über das Wochenende zahlreiche Projekte. Eine Liste mit Links ist auf unserem Blog aufgeführt.

Wir hatten ein wirklich tolles Wochenende, mit hervorragenden Workshop-Leitern, ziemlich viel Essen, Torte und schicken neuen knallgrünen Pullis. Vor allem haben wir uns darüber gefreut, das neue beeindruckende Zuhause des OK Lab Ulms, das Verschwörhaus, besser kennenzulernen und “einzuweihen”. Wir freuen uns sehr über die neue Kollaboration und Partnerschaft zwischen Wikidata und den OK Labs und danken an dieser Stelle nochmal der Wikimedia, die diesen großartigen Workshop ermöglicht hat.



Wikidata Website

Das OK Lab Ulm hat ein Zuhause gefunden: Das Verschwörhaus

Im August 2015 sprach uns Stefan Kaufmann, langjähriger Begleiter der Open Data Community und Lab Lead in Ulm, das erste Mal an, um uns darüber zu informieren, dass er sehr “vielversprechende” Gespräche mit verschiedenen Personen der Stadt geführt hatte. Es ging vage um einen Antrag zum Ausbau des Labs, um einen neuen Freiraum für Kreative, einen Coworking-Space - wir tauschten uns dazu aus, hatten ein paar Anmerkungen, dann war es eine Weile wieder ruhig.

Im April dann der Knall: Der Antrag ging einstimmig im Gemeinderat durch! Seitdem haben Stefan Kaufmann und weitere Engagierte aus Ulm das mitten in der Stadt gelegene “Verschwörhaus” bezogen und bieten damit Initiativen rund um Offenes Wissen, Digitales und Schönes einen Raum für Begegnung, Austausch und Projekte. Das Haus ist weiterhin im Aufbau, kann aber bereits ein Backlog an Veranstaltungen vorweisen, das sich sehen lassen kann. Unter anderem fand im November der Wikidata-Workshop mit 40 Teilnehmerinnen aus den Labs statt (s.o.).



Website des Verschwörhauses

Der Open Knowledge Round Table

Nordrhein-Westfalen hat sich dieses Jahr durch den Aufbau eines Open Knowledge Round Tables einer speziellen Erwähnung verdient gemacht. In Düsseldorf findet mittlerweile regelmäßig ein Treffen zwischen der Landesstelle Open.NRW und Vertretern aus den Open Knowledge Labs statt. Die Labs werden alle drei Monate in die Landesvertretung eingeladen und zu verschiedenen Themen konsultiert. Wir heißen diese Zusammenarbeit mit der Open Data Community sehr willkommen und glauben, dass das richtungsweisend für den Prozess hin zu mehr Offenheit und digitalisierter Verwaltung ist. Um diesem dynamischen und komplexen Feld gerecht zu werden, braucht es interdisziplinärer Ansätze, Perspektiven und Fähigkeiten, um gemeinsam Chancen zu erkennen und Lösungen zu finden. Wir hoffen, auf weitere Formen der Zusammenarbeit in NRW aber auch in anderen Bundesländern!



Open NRW

Der Prototype Fund

Als wir Code for Germany als Projekt entwickelt haben, war unsere Motivation, eine nachhaltige Ergänzung zu Hackathons zu entwickeln. Deswegen riefen wir unsere Community dazu auf, OK Labs zu gründen, um in ihrer Stadt langfristig aktiv zu werden. Nach zwei Jahren Code for Germany waren zahlreiche Ideen entstanden, über 100 Projekte wurden entwickelt und angestoßen. Aber nur selten gab es die Möglichkeit, diese Ideen über einen Prototypen-Status hinaus zu entwickeln, nicht zuletzt weil ein Ehrenamt so etwas oftmals nicht hergibt. Das inspirierte uns zu unserem großen Projekt “Prototype Fund”. Über die Jahre hatten wir viele engagierte Entwicklerinnen kennengelernt, die großartige Ideen hatten und super motiviert waren - allerdings gab es in der deutschen Funding-Landschaft kaum Entsprechungen für Open Source Projekte jenseits von proprietären und kommerziellen Startup-Ideen. Also entwickelten wir ein Konzept, das die finanzielle Möglichkeiten bietet, um konzentriert an einem Open Source Projekt arbeiten zu können: Den Prototype Fund. Nach vielen Monaten des Verhandelns, Feedbackschleifen und Gesprächen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung launchten das Codefor-Team am 01. August das Projekt mit der umwerfenden Schlagzeile: Bundesregierung und die Open Knowledge Foundation vergeben 1,2 Millionen Euro an Open Source Projekte. Bewerbungsaufwand: 8 kurze Fragen. Schon in der ersten Runde regneten über 500 Bewerbungen rein, was zeigte, dass es einen riesigen Bedarf an unkomplizierter Förderung für Open Source Projekte gibt. Nun stehen wir kurz vor der Deadline der zweiten Bewerbungsphase am 31. März. Wir freuen uns weitere spannende Projekte und Ideen - aber nicht nur. Wir freuen uns auch darauf, die Funding-Landschaft in Deutschland um ein positives Beispiel erweitert zu haben und damit vielleicht eine Veränderung hin zu mehr Förderung für kleine Teams, Individuen, gemeinnütziger Software und Open Source!

Prototype Fund

Das internationale Netzwerk

Code for Germamy ist Teil eines internationalen Netzwerks. Von Mexiko über Polen, von Australien nach Japan, auf der ganzen Welt gibt es ähnliche Initiativen, mit denen wir uns regelmäßig austauschen und kollaborieren. Dieses Jahr waren wir wieder beim Code for America Summit dabei. Außerdem gab es erstmalig die Gelegenheit, ein Austausch-Fellowship mit Code for Taiwan zu machen. Für 2017 sind coole Partner-Projekte geplant wie z.B. das Stuttgarter Feinstaub-Projekt bei Open Data Durban (innovateAfrica).

Code for All

PROJEKTE

Feinstaubmessung in Stuttgart


Das Feinstaub-Projekt ist weiterhin in aller Munde. Und Feinstaub weiterhin in aller Lunge. Was als Idee im Rahmen des Citzen-Science-Fokus 2015 entstand ist mittlerweile nicht nur ein Lab-übergreifendes, sondern auch internationales Projekt geworden.

Zur Geschichte: Stuttgart ist so etwas wie die Hauptstadt des Feinstaubs. Obergrenzen für die Belastung werden rgegelmäßig überschritten u.A. aufgrund der geographischen Lage im Tal. Und trotzdem gibt es nur wenige offizielle Messstationen. Daran wollte das Lab etwas ändern und hat angefangen, eigene Messgeräte zu basteln. Die Prototypen wurden immer besser und günstiger - nach einer Weile hatten sie einen Bausatz zusammengestellt, der für 30€ zu erwerben war. Mit einer Spendenkampagne sammelten sie genug Geld ein, um 300 Bausätze zu erwerben. Die irre Idee dahinter: Suttgarter können die Sensoren selber zusammen bauen und mit nach Hause nehmen und aufhängen. Die gemessenen Werte werden an einen zentralen Server gesendet und auf einer Karte in Echtzeit abgebildet. Fertig ist das dezentrale Feinstaub-Mess-Netzwerk!

Das Lab und die Sensoren im Siphon haben dafür viel Aufmerksamkeit bekommen, von Presse, Politik und dem gesamten Codefor-Netzwerk. Auf der luftdaten.info-Seite tauchen gerade fast täglich neue Sensoren auf, die in vielen weiteren Städten die Luftqualität messen. Sehr erfreut waren wir auch über den ersten Sensor in der Dominikanischen Republik. Wer nicht in Stuttgart wohnt kann nämlich einfach nach Rezept die einzelnen Bauteile einkaufen und zu sich nach Hause bestellen.

Der Effekt ist, dass das Thema Feinstaub breiter diskutiert und als Problem erkannt wird. Was nämlich harmlos klingt, ist eigentlich eine Belastung für die Umwelt und Gesundheit. Bald wird das Thema auch auf der inernationalen Bühne eine Rolle spielen. Im Jahr 2017 wird es eine Kooperation zwischen einigen Labs und innovateAfrica geben. Stay tuned! Mehr Infos gibt es auf luftdaten.info


Luftdaten

OParl


Hinter OParl steckt eine Initiative die sich dafür einsetzt, einen einheitlichen Zugriff auf Informationssysteme zu schaffen. Dafür definiert das OParl Team einen Schnittstellen-Standard. Die teilnehmenden Software-Anbieter passen ihre Systeme so an, dass sie diesen Standard erfüllen. Während der ersten Hälfte des Jahres hat das Team rund um OParl fleißig letzte Mängel beseitigt und nun nach drei Jahren Arbeit die Version 1.0 veröffentlicht. 2016 war ein gutes Jahr für OParl, schreiben die Mitwirkenden in ihrem Jahresrückblick. Und 2017? Auf Nachfrage erfährt man, dass auf uns ein OParl-Jahr zukommt:

Die Arbeit an OParl hat sich gelohnt: gleich drei große Ratsinformationssystem-Hersteller werden die Schnittstelle in der ersten Jahreshälfte veröffentlichen, so dass OParl von Städten leicht bereitgestellt und so ein recht einfacher und gleichzeitig wertvoller Beitrag zu mehr Transparenz und OpenData geleistet werden kann. Kurzum: Wir gehen dieses Jahr live und in die Masse.

Buckle up! Wir sind gespannt :-)

Metacollect


Metacollect wurde im OK Lab Berlin entwickelt, als eine Vielzahl von Projekten für Geflüchtete entstand. Metacollects Mission ist es, diese Projekte in einer offenen Datenbank zentral zu sammeln und für Initiativen und Projekte zur Verfügung zu stellen. Die Basis dafür boten aktuelle und öffentlich zugängliche Daten über soziale Projekte. Im Rahmen der Digital Refugee Labs hat sich das Projekt für eine stärkere Kooperation zwischen Plattformen und für einen offenen Standard eingesetzt.


Metacollect

DAS TEAM

Im April ist Elisa neu zum Team von Code for Germany gestoßen - ein paar von euch haben sie bei den Digital Refugee Labs kennengelernt. Elisa ist eigentlich Archäologin, hat aber irgendwo eine Abkürzung genommen und ist in der Angewandten Informatik gelandet. In den letzten Jahren arbeitete sie als wissenschaftlicher Wolpertinger unter anderem in Südafrika und im Sudan, bevor sie ihren akademischen Hut nahm und bei Code for Germany ein viel großartigeres Betätigungsfeld fand. Nach dem Abschluss der Digital Refugee Labs ist sie nun für den Prototype Fund tätig.

Willkommen Elisa, wir freuen uns riesig darüber, dass du unser Team ergänzt!

TEAM

Julia Kloiber

Julia Kloiber

Project Lead
Fiona Krakenbürger

Fiona Krakenbürger

Community Director


Eileen Wagner

Eileen Wagner

Content Manager


Elisa Lindinger

Elisa Lindinger

Project Lead


DANKE <3

www.codefor.de




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